5.-6.9.2020 – Stadt.Land.Flucht

Wohnen im Wandel zwischen Nachhaltigkeit und steigenden Mieten

Unsere digitale Jahrestagung 2020 in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung.

Gewohnt wird immer – die Frage ist, wie? Gemeinsam, einsam? Ob Kommune im Grünen, die Singlewohnung in der Großstadt oder das Einfamilienhaus in der Vorstadt – Optionen gibt es viele.

Zwei Trends lassen sich jedoch identifizieren:

1. Der Bedarf nach mehr Wohnraum pro Person steigt. Mögliche Folgen: Zersiedelung, Flächenversiegelung, erhöhter Pendelverkehr.

2. Die Kosten steigen. Ob Mietpreisbremse, Mietendeckel, Grundsteuerreform oder Modernisierung – für Mieter und Vermieter gibt es viele Unsicherheiten, nur eines ist sicher: die Kosten für Wohnraum sind zum Streitthema geworden.

Eingeladene Expert*innen werden am Samstag gemeinsam mit Euch in digitalen Inputs in die Thematik einsteigen. Wir debattieren mit ihnen über Herausforderungen und Lösungen unserer Zeit debattieren – von Mietpolitik bis nachhaltiger Stadtentwicklung, von Gentrifizierung bis Landflucht.

Im digitalen Open Space am Sonntag besteht die Möglichkeit eigene Anliegen einzubringen, Themen zu vertiefen, Utopien zu spinnen und gemeinsam Ideen für drängende Fragen zu erarbeiten. Welche neuen Formen des zukünftigen Wohnens können wir uns heute vorstellen? Welche davon sind sozial- und umweltverträglich? Welche (Zukunfts-)Perspektiven gibt es auf dem Land?

Wir möchten die zwei Tage gerne noch mit kleinen informellen Angeboten bereichern. Wenn du Ideen zum Thema, oder zur Auflockerung z.B. für die Abendgestaltung am Samstag oder für die Kaffeepausen hast, gib dies gerne bei der Anmeldung an. Oder du möchtest gar noch 

Wir freuen uns, wenn ihr mit dabei seid!

Wann? 05. & 06. September 2020

Wo? Überall wo es einen Internetzugang gibt via Videokonferenzen.

Anmeldungen findet ihr hier: Jetzt anmelden!

Wir bitten um Anmeldung bis zum 31.8.2020.

Vorläufiges Programm:

SAMSTAG:

10:00 – 10.30 Uhr Begrüßung und Einführung

10.30 – 17.30 Uhr 60-75 minütige digitale Inputs & Dikussionen

Es finden alle 90 Minuten max. 1-2 Inputs parallel statt, du kannst selber wählen an welchen du teilnimmst.

Themen & Referent*innen

Detailierte Beschreibungen der Inputs findet ihr unten.

10.30-11.30 Die Stadt der Zukunft: Transition Town vs. Smart City? – Eva-Maria Graf, post graduate trainee in development cooperation, Mitarbeiterin bei der C40 Cities Finance Facility, Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), hbs Alumna

12.00-13.00 SDGs und nachhaltige Stadtentwicklung (Inputvortrag und Workshop) – Dr. Florian Koch, Professor für Immobilienwirtschaft, Smart Cities und Stadtentwicklung, hbs Alumnus

13.30-14.30 Berliner Häuserkampf – zivilgesellschaftlicher Widerstand gegen die Kapitalisierung des Wohnungsraums – Paul Böttcher, Stadtplaner, hbs Alumnus

13.30-14.30 Nachhaltige Ernährungsnetzwerke zwischen Stadt und Land – Dr. Birgit Hoinle, Referentin für Globales Lernen, Promotion zu (peri-)urbaner Landwirtschaft, hbs Alumna

15.00-16.00 CoWorkLand – Eine Genossenschaft für Coworking auf dem Land – Ulrich Bähr und Irina Bartmann

15.00-16.00 Deine Stadt von morgen – Helmut Wolman, Gründer der Karte von Morgen und hbs Alumnus

16.30-17.00 Mietpolitik, Mietendeckel und CoVerdrängung von Mieterinnen und Mietern – Akteure, Muster, Interventionsmöglichkeiten – Dr. Fabian Beran, wissenschaftlicher Mitarbeiter für Stadt- und Regionalplanung, Humboldt Universität zu Berlin

19:00 bis Open End – Digitaler Kneipenabend mehr Infos tba

SONNTAG

15-18 Uhr Open Space

Der Raum für eure Anliegen und Ideen. Lasst uns Wohnutopien für morgen spinnen und die Fragen, die (noch) unter den Nägeln brennen, diskutieren.

Matthias Voss / CC BY-SA (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)

Beschreibung der Programmpunkte:

Die Stadt der Zukunft: Transition Town vs. Smart City? Eva-Maria Graf

Auch wenn die Stadt aus Beton und Glas oft unveränderbar wirkt, entspringt die Konstruktion urbaner Lebensräume unserer Imagination. Dem Städtebau gehen nicht selten Ideale und utopische Vorstellungen voraus, welche als Antworten auf die Herausforderungen ihrer Zeit zu lesen sind. Historische Beispiele städtisch-utopischen Gedankenguts prägen noch heute unser Stadtbild: Unter anderem sind hier Ebenezer Howards Gartenstadt-Konzept wie auch die modernistischen Zukunftsvisionen Le Corbusiers zu nennen.

Von diesen zwei historischen Beispielen ausgehend werfen wir einen Blick auf zwei Ansätze in der heutigen Stadtplanung: Die Transition Town und die Smart City. Wie unterscheiden sie sich? Welchen Werten unterliegen beide Konzepte? Welche Lösungen halten sie im Sinne der Nachhaltigkeit und der sozialen Inklusion parat? Nachdem wir diese und mehr Fragen beantwortet haben, öffnen wir den Raum für die folgenden Beiträge: Wie gelangen wir von der Imagination zur Transformation unserer Städte?

SDGs und nachhaltige Stadtentwicklung (Inputvortrag und Workshop), Florian Koch

Mit der Agenda 2030 der Vereinten Nationen wurden 2015 17 globale Nachhaltigkeitsziele (Sustainable Development Goals – SDGs) verabschiedet. Diese Ziele sollen auch auf lokaler Ebene umgesetzt werden und als Leitlinie für nachhaltige Stadtentwicklung weltweit dienen. Im Rahmen einer Präsentation und eines Workshops werden wir über die Potenziale und Probleme bei der Lokalisierung der SDGs sprechen. Themen werden u.a. Indikatoren, Akteur*innen, Trade-offs sowie partizipative Ansätze sein, die wir dann ggf. in einem Positionspapier oder einer Mindmap versuchen, gemeinsam zu visualisieren.

„Nachhaltige Ernährungsnetzwerke zwischen Stadt und Land”, Dr. Birgit Hoinle 

Wie können sich Städte nachhaltiger ernähren? Wie können Stadt-Umland-Beziehungen gerechter gestaltet werden? Birgit Hoinle hat im Rahmen einer 18-monatigen Feldforschung mit Initiativen der urbanen und solidarischen Landwirtschaft in Bogotá geforscht und den Aufbau eines Netzwerks für Ernährungssouveränität begleitet. In dem Workshop gibt sie Einblicke in Praxisbeispiele in Kolumbien, die ländliche Kooperativen mit Stadtbewohner*innen vernetzen und zeigt Perspektiven auf, was wir hierzulande für die nachhaltige Gestaltung einer Ernährungswende tun können.

“Berliner Häuserkampf – zivilgesellschaftlicher Widerstand gegen die Kapitalisierung des Wohnungsraums”, Paul Böttcher

Die Mieten in deutschen Großstädten kennen eigentlich nur einen Trend – steil aufwärts. Doch welchen Logiken unterliegt eigentlich der Wohnungsmarkt? Wie konnte es passieren, dass in einer Stadt wie Berlin die Mietpreise innerhalb nur einer Dekade so exponentiell gewachsen sind? 

Im Rahmen dieser Session möchten wir einen kurzen Blick auf die Geschichte der Berliner Stadtentwicklung werfen. Welche politischen Rahmenbedingungen haben zu den heutigen Ausmaßen von Mietsteigerungen und -Preisen geführt? Welche Rolle spielte das Kapitalinvestment riesiger (ausländischer Investment-)Unternehmen dabei und welche zivilgesellschaftliche, als auch politische Antwort hat sich bis heute auf die steigenden Mieten formiert und formuliert. 

Wir möchten euch in einen proaktiven Dialog einladen und diese Session gemeinsam mit euch gestalten. Welche Erfahrungen habt ihr persönlich eventuell mit Mietsteigerungen, Sanierungen oder auf der Wohnungssuche in deutschen Großstädten gemacht? Wollt ihr euch für einen faireren Wohnraum und bezahlbare Mieten engagieren, wisst aber nicht wo ihr anfangen sollt? Oder interessiert euch einfach nur das Thema und ihr wollt verstehen, welche Logik hinter kapitalisierten Wohnungsmärkten steckt? Ihr alle seid herzlich willkommen. 

Mietpolitik, Mietendeckel und CoVerdrängung von Mieterinnen und Mietern – Akteure, Muster, Interventionsmöglichkeiten, Dr. Fabian Beran

Angesichts der angespannten Wohnungsmärkte in Großstädten steht die Frage nach der Verdrängung von Mieterinnen und Mietern weit oben auf der Agenda aktueller stadt- und wohnungspolitischer Debatten. Auf der Basis einer repräsentativen Befragung von Umzüglerinnen und Umzüglern aus Berliner Innenstadtbezirken werde ich in meinem Vortrag Verdrängung quantifizieren, Akteure (wer verdrängt wen?) und Erscheinungsformen von Verdrängung vorstellen und abschließend Schlussfolgerungen für Politik und Planung ziehen, wie Verdrängung verhindert werden könnte.

Deine Stadt von morgen, Helmut Wolman 

Entwickle dein Ökodorf in der Stadt! Es wäre zwar das beste, wenn du aufs Land ziehst, was mit Ökodörfern und der Online DorfUni inzwischen sehr innovativ möglich ist, aber leider klappt das nur selten. Dass beide Partner einer Beziehung im Dorf ihren Traumjob finden, ist unwahrscheinlich, also müssen wir die Städte zu Oasen des Wandels machen. Wie kannst du transformative Möglichkeiten in deiner Nachbarschaft sichtbar machen? Wie baust du ein regionales Versorgungsnetzwerk auf und können wir sogar globale Lieferkettentransparenz wagen?

CoWorkLand – neues Leben und Arbeiten auf dem Land, Ulrich Bähr, Irina Bartmann

Wir stehen vor einer neuen Urbanisierung – immer mehr Menschen träumen von einem Leben auf dem Land. Doch ihre Träume haben sich geändert – das Neubaugebiet am Dorfrand, zwei Autos für’s Pendeln und der Wocheneinkauf im zentralen Supermarkt haben ausgedient. Neue Modelle von nachhaltigem Leben und Arbeiten auf dem Land entstehen in Experimentierräumen. CoWorkLand ist einer davon.