17.-18.9.19 Negative Anthropologie 1969/2019

Aktuelle Perspektiven auf und Anknüpfungen an Ulrich Sonnemann

Workshop an der Freien Universität Berlin

Habelschwerdter Allee 30 • 14195 Berlin • Seminarraum 1

Kontakt und Anmeldung bis zum 1. September bei Tobias Heinze

Das Programmheft als pdf hier.

Der Workshop widmet sich gegenwärtigen Bezugnahmen auf das Werk Ulrich Sonnemanns und damit der Frage nach dessen Aktualität. Anlass dazu bietet das 50. Jubiläum der Negativen Anthropologie, die 1969 zum ersten Mal erschien. Anders als Theodor W. Adorno, an dessen 50. Todestag in diesem Jahr vielfach erinnert wird, oder etwa Max Horkheimer und Herbert Marcuse gehört der nur wenige Jahre jüngere Sonnemann – gleichsam als ‚Zwischenfigur‘, die nicht schon zur sogenannten zweiten Generation der Kritischen Theorie gerechnet werden kann – heute jedoch kaum zu den Hauptreferenzen Kritischer Theorie. Zu wenig wird etwa bis dato in ideengeschichtlichen Diskussionen berücksichtigt, dass Sonnemanns Negative Anthropologie als ein wichtiges Dokument des Verhältnisses von Kritischer Theorie und Studierendenbewegung gelesen werden muss und die Beschäftigung mit diesem Buch entsprechend den Fokus von Personen- auf Sachfragen verschieben könnte. Das hat sich auch im vergangenen 68er-Erinnerungsjahr nicht wesentlich geändert, immer noch kreisten die Auseinandersetzungen hauptsächlich um die Figuren Adorno und Marcuse, schon seltener um Horkheimer.

Wie in Sonnemanns Werk, werden auch bei dem Workshop sozialphilosophische Reflexionen und das politisch-publizistische Eingreifen zusammen gedacht. Dabei werden einzelne Motive aus Sonnemanns Denken kritisch reflektiert, Anknüpfungen in dem Werk anderer Denker*innen herausgestellt und Bezüge auf gegenwärtige gesellschaftliche Verhältnisse hergestellt.

PROGRAMM:

DIENSTAG, 17. September 2019

10:00 Tobias Heinze, Martin Mettin, Anne Eusterschulte
Begrüßung und Eröffnungsvortrag

I. Negative Anthropologie als (sprachkritische) Denkfigur

10:50 Sebastian Tränkle (Berlin)
Naturgeschichtliche Sprachkritik. Überlegungen zu einer negativ-dialektischen Anthropologie nach Adorno und Sonnemann

11:40 Sebastian Edinger (Potsdam)

Die Sprache als Medium, Anthropologicum und Stifterin von nationaler Identität. Zu Sonnemanns Oszillation zwischen positiver und negativer Anthropologie

12:30 Mittagspause

14:00 Hannes Bajohr (Berlin)

Sprechen ohne zu nennen. Spielarten negativer Anthropologie bei Ulrich Sonnemann, Hannah Arendt und Günter Anders

14:50 Marc Rölli (Leipzig)
Negative Anthropologie. Anspruch und Kritik

15:40 Kaffeepause

II. Negative Anthropologie als eingreifende Politik

16:00 Konstantin Bethscheider (Berlin)

Zu Wort kommen. Über die Bedeutung der ›Redlichkeit‹ für negative Anthropologie und revolutionäre Hoffnung

16:50 Henning Gutfleisch (Frankfurt a.M.)

Grenzen der Erfahrung. Zur Integration Geflüchteter im Land der unbegrenzten Zumutbarkeiten

Abendvortrag

18:15 Paul Fiebig (Berlin)

Buchvorstellung Sonnemann Schriften Band 6: Der mißhandelte Rechtsstaat und Band 7: Land der Sprachlosen

20:30 gemeinsames Abendessen

MITTWOCH, 18. September

10:00 Begrüßung und Rekapitulation

III. Spontaneität, Medialität und Sinnlichkeit

10:30 Roger Behrens (Hamburg)

Spontaneität versus Automation. Negative Anthropologie als Einspruch gegen Trans- und Posthumanismus im Sinne einer Sabotage des Schicksals

11:20 Dirk Stederoth (Kassel)

Der versponnene Mensch. Zur negativen Anthropologie der Netz-Kultur

12:10 Kaffeepause

12:25 Elvira Seiwert (Berlin)

N.N. (zum Hören und zur Musik)

13:15 Mittagspause

IV. Sabotage des Schicksals: Negative Anthropologie zwischen Ideen- und Psychohistorie

14:30 Daniel Bella (Frankfurt a. M.)

Ulrich Sonnemanns prozessuale Hermeneutik

15:20 Simon Godart (Berlin)

»Totem reluctet in omnibus«. Sonnemanns Cusanus-Lektüre in der Negativen Anthropologie

16:10 Kaffeepause

16:30 Lea Fink (Berlin)
Der Engel der Geschichte, um einen Rückspiegel ergänzt. Anthropologie und Urgeschichte bei Sonnemann und Benjamin

17:20 Christine Zunke (Oldenburg)
Wenn das Schubladendenken klemmt. Aufklärerische Vernunft zwischen Kontrollkomplex und Unverfügbarkeit

18:10 Abschlussdiskussion, Ende gegen 18:30

Organisation: Tobias Heinze (Frankfurt a. M.) und Martin Mettin (Oldenburg) in Kooperation mit Anne Eusterschulte (Berlin).
FOTO: Verlag zu Klampen